Selbstzweifel

Jetzt habe ich jahrelang eine Femdom-Beziehung und toppe eigentlich nur den einen Menschen über einen längeren Zeitraum. Da mein sub nichts mit Schmerzen anfangen kann, ist dieses toppen auch auf bestimmte Bereiche begrenzt. Um meinen Sadismus auszuleben spiele ich von Zeit zu Zeit mit anderen Menschen. Aber es ist halt nur ein zeitlich begrenztes Spiel, meist nur auf ein paar Stunden angelegt.  So etwas kann zwar intensiv sein, aber meist nicht wirklich tief. Es hat einen klar definierten Anfang und ein klares Ende. Man spricht ab, was der Andere mag und was nicht und kann sich dann darauf einlassen. Mir machen diese Spiele Spaß und ich weiß, dass mein Gegenüber es genießt. Das Vertrauen, dass mir diese Menschen entgegenbringen ehrt mich. Solche Spiele scheinen bei mir immer zu gehen.

Aber wie ist das in meiner festen Beziehung zu meinem Ehe-sub? Da ist das anders. In den Jahren ist die Leichtigkeit verloren gegangen.  Warum? Wenn aus einem Spiel mehr wird, dann fängt man an darüber nach zu denken. Wie der Andere tickt, was ihn bewegt, was er eigentlich will und wie er es will. Man macht sich Gedanken, ob man selber alles richtig macht. Man fängt an darüber zu reden. Und dann kommen Sätze wie: „An deiner Stelle hätte ich ja noch Dieses und Jenes gemacht. Du bist immer viel zu nett.“ Manchmal kann so ein Satz helfen. Aber wenn er fast jedes mal kommt, selbst wenn man selber das Gefühl hat das alles super gelaufen ist und es für einen selber sehr sehr schön war, dann kann so ein Satz auch viel zerstören. Er weckt auf Dauer Selbstzweifel. Man fängt an sich zu fragen, ob dieses Mal alles richtig gelaufen ist, ob der Andere dieses Mal zufrieden ist.

Wenn die Selbstzweifel zu groß werden, dann hat man auch keine Lust mehr irgendwas zu machen. Es ist ja eh immer etwas falsch. Warum also erst noch etwas machen, was dann eventuell die Selbstzweifel mehrt und damit auch die Unzufriedenheit erhöht. Da sind doch gelegentliche Spiele mit anderen Menschen unverbindlicher, einfacher und auch manchmal befriedigender. Ist das wirklich so? Im ersten Moment scheint das so zu sein. Unverbindlich sind diese Spiele. Einfacher sind sie meistens auch. Aber befriedigender? Auf Dauer fehlt mir die Tiefe in diesen Spielen, sie befriedigen nur oberflächlich. Aber sie zeigen mir immer wieder, dass ich doch auf mein Gegenüber eingehen kann.

Liegt es vielleicht daran, dass ich weniger Verantwortung übernehmen muss? Weill jeder nach so einem Spiel seiner eigenen Wege geht? Warum ist es soviel einfache mit jemandem zu spielen, den man so viel weniger kennt, als den eigenen sub? Liegt es daran, dass die Ansprüche nicht so hoch sind?

Ich bin Wunscherfüller-Top. Und wenn ich die Bedürfnisse und Wünsche des Anderen nicht kenne, dann fällt es mir schwer mit meinem Gegenüber zu spielen.

Seit einiger Zeit habe ich einen Partner mit dem ich die Dinge ausleben kann, die ich bisher mit meinem sub nicht ausleben konnte. Hier kann ich auch die Seiten wechseln. Ich habe erlebt, wie wundervoll es sein kann, sich einfach fallen zu lassen, den Anderen mach zu lassen und nicht dauernd darüber nachdenken zu müssen, ob es jetzt richtig oder falsch ist, was man da gerade tut. Ich liebe diese Momente. Am Anfang war es selten genug für mich und ich habe das auch kommuniziert. Ich frage mich manchmal ob ich nicht zuviel von meinem Partner verlange, ob ich ihn nicht mit meinen Bedürfnissen überfordere. Doch inzwischen habe ich festgestellt, dass es immer genau richtig ist. Ich möchte abgeben, ich möchte loslassen und dann liegt es an ihm, was er macht.

Dann gibt es diese Momente, wenn er mich mit diesem sehnsuchtsvollen Blick anschaut, in dem ich genau erkenne, das sein Wunsch nach Unterwerfung wieder da ist. Dieser vorsichtige Blick, der abschätzt, ob ich bereit bin. Dieser Blick, der mich auf der einen Seite berührt und triggert, auf der anderen Seite Angst macht, mal wieder die Bedürfnisse des Andere nicht befriedigen zu können. Mein inneres Bedürfnis ihn zu toppen ist dann so groß und will  los stürmen, jedoch kommen dann meine Selbstzweifel. Selbstzweifel die eigentlich so unbegründet sind, und doch so tief sitzen. Sie hemme mich, machen mich handlungsunfähig und ärgern mich. Und natürlich läuft dann nichts, wie man es gerne hätte und die Selbstzweifel fühlen sich mal wieder bestätigt.

2 Responses to “Selbstzweifel”

  1. aesthet sagt:

    Was für ein ehrlicher, kluger Text! Und wie wahr schreibst du über diesen „Blick“, der berührt und triggert. Merci fürs Lesendürfen!

  2. englischzoegling sagt:

    Liebe Tigresse !
    Ich kann Ihre Gefühle sehr gut nachvollziehen. Als sub weiß ich, wie schön es ist, sich fallen lassen zu dürfen und – wenn man sich kennt – zu können und “es mit sich geschehen zu lassen”, auch wenn es einmal weh tut. Als sub hat man hinterher nie den Rechtfertigungszwang, etwas falsch oder nicht perfekt gemacht zuhaben. Für Fehler wird man ohnehin bestraft (und will das ja auch); und wenn etwas nicht gut war, war es Fehler des dominanten Parts (zu lasch, zu hart, zu ….). Eine Session ist für sub Entspannung, für den dominanten Part oft “Arbeit und mentale Anstrengung”, es sub Recht machen zu wollen.
    Ich denke, dass dies bei mir bewirkt, dass ich meine ca. 70 % sub-Anteile wie gelebte/gefühlte 120 % sub-Anteile empfinde und meine ca. 30 domsad-Anteile gerne verdränge.

    Das Problem gerade in einer langfristigen Beziehung kann sein – wie Du es ja auch schilderst – dass Selbstzweifel aufkommen, wenn nach jeder Session “Mängel” reklamiert werden. Hier setzt natürlich die Verantwortung des subs ein, sich nicht nur als anspruchvoller Konsument zu gebärden, sondern sich willentlich mit dem zufrieden zu geben, was er bekommt und dies zu schätzen.

    Alles Gute

    Englischzoegling aus der SZ

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