Verehren wir das Alte zu sehr und vergessen dabei die Zukunft?

 

Zur Zeit lese ich von Max Frisch das Buch „Stiller“. Darin kommt ein Architekt vor, der eigentlich für seinen Berufsstand revolutionäre Ansichten hat. Er baut modern. Er hält sich so gut wie gar nicht an das alt Hergebrachte. Mit dem Alter passt er sich der Norm an und verliert dabei seine Zukunft.

Wenn ich mir unsere Gesellschaft anschaue, dann komme ich mir manchmal genauso vor. Es wird viel zu viel nach hinten geschaut, anstatt nach vorne zu schauen, was man besser machen kann. Wir halten an Dingen fest, die schon lange überholt sind.

Es scheint mir, dass Frisch mit der veralteten Architektur nicht nur das eigentliche Bauwesen, sondern auch das Bauwesen unserer (damaligen) Gesellschaft meinte. Aber auch wenn die Worte alt sind und manchmal etwas befremdlich wirken, so ist das Thema doch immer noch aktuell.

Ich denke, dass die Vergangenheit wichtig ist. Man sollte sie sich anschauen, daraus lernen und dann seine Zukunft gestalten. Man sollte aber nicht zu sehr am Alten festhalten. Denn wer zu sehr in der Vergangeheit lebt, vergisst, dass die Menschen, die die Häuser von damals bauten in die Zukunft gesehen habe. Wir müssen auch nach vorne sehen und dürfen dabei nicht immer über die Vergangenheit stolpern.

Eins der auffälligsten Beispiele in den letzten Jahren dürfte die Mode sein. Bis in die 80er Jahre wurde noch Mode gemacht. Die Designer hatten noch eigene Ideen, sie haben sich nur leicht von der Mode früherer Jahre inspirieren lassen. Aber seit den 90er Jahren wird nur immer wieder altes aufgewärmt. Es werden zwar neue Stoffe entwickelt, aber etwas Neues kommt nicht auf den Markt. Und nur weil wir in den 80er Jahren eine bestimmt Mode hatten, und ich bin froh, dass diese Phase vorbei ist, muss es nicht bedeuten, dass diese so toll war, das man sie wiederholen muss.

Genauso in der Musik. Viel Neues kommt da nicht mehr. Es wird einfach was Altes genommen und ein bisschen verändert. In ganz seltenen Fällen wird das Lied dadurch besser.

 

Zukunft ist, wenn wir endlich unseren Kopf nach vorne drehen und aufhören dem Alten hinter herzuschauen.  Aber das hat was mit Mut zu tun, und der scheint unserer Gesellschaft abhandengekommen zu sein.

 

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